Bern/Neuchâtel, 24.06.2014 (ESTV/BFS) - Die Netto-Steuerforderungen aus der Mehrwertsteuer betrugen im Jahr 2012 22,2 Milliarden Franken. Dies entspricht einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent. Das Wachstum erfolgte zu einem Grossteil bei der Mehrwertsteuer auf Warenimporten. Dies geht aus der heute erschienen Publikation „Die Mehrwertsteuer in der Schweiz 2012“ der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) hervor.
Mehr als die Hälfte der Netto-Steuerforderungen stellten die Warenimporte
Die Mehrwertsteuer (MWST) wird von der ESTV und der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) erhoben. Die Summe der beiden Beträge ergibt die gesamte Netto-Steuerforderung aus der MWST. Bei Warenimporten ist die EZV für die Erhebung der Mehrwertsteuer zuständig. Die vorliegende MWST-Statistik konzentriert sich hingegen auf die mit der ESTV abgerechnete Steuer. Die Nettosteuer-Forderung der ESTV berechnet sich aus der Differenz zwischen der Brutto-Steuer und der abziehbaren Vorsteuer. Für die Steuerpflichtigen ergab sich 2012 - auf Grundlage des steuerbaren Umsatzes - eine Brutto-Steuer von 81,6 Milliarden Franken. Bei einer anrechenbaren Vorsteuer von 71,3 Milliarden Franken resultierte ein Saldo von 10,3 Milliarden Franken zu Gunsten der ESTV. Unter Berücksichtigung der von der EZV erhobenen MWST von rund 11,9 Milliarden Franken belief sich die Netto-Steuerforderung auf insgesamt 22,2 Milliarden Franken. Dies entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr (2011: 22,0 Mrd. Franken) um 0,8 Prozent.
Steuerbefreite Umsätze wachsen stärker als steuerbare Umsätze
Die mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmen haben 2012 einen Gesamtumsatz von 3591,5 Milliarden Franken gemeldet. Der Gesamtumsatz verteilt sich auf den steuerbaren Umsatz (849,4 Mrd. Franken oder 23,7% des Gesamtumsatzes) und den nicht steuerbaren Umsatz (2742,1 Mrd. Franken oder 76,3% des Gesamtumsatzes). Zum nicht steuerbaren Umsatz zählen insbesondere der Export von Gütern und Dienstleistungen sowie der von der Steuer ausgenommene Umsatz (z.B. Geld- und Kapitalverkehr, Versicherungen, Unterricht und Ausbildung, Kultur und Sport, Gesundheit, Sozialfürsorge). Der nicht steuerbare Umsatz wuchs gegenüber 2011 um 2,2 Prozent, dies aufgrund deutlich ansteigender Ausland-Ausland-Umsätze. Es handelt sich bei solchen Umsätzen um Leistungen, die gar nie in die Schweiz gelangen, sondern von den Steuerpflichtigen im Ausland geliefert werden. Der steuerbare Umsatz hingegen nahm 2012 lediglich um 0,7 Prozent zu. Während der steuerbare Umsatz, welcher zum Normalsatz besteuert wird, um 1,0 Prozent anstieg, sanken die steuerbaren Umsätze zu den anderen Sätzen (reduzierter Satz, Satz für Beherbergung, Saldosteuersätze).
Ein grosser Teil der Steuerpflichtigen wird nach dem Normalsatz oder dem Saldosatz besteuert
Die Zahl der Steuerpflichtigen ist 2012 gegenüber 2011 um 2,2 Prozent gestiegen. Im Jahr 2012 waren 354'561 Steuerpflichtige gemeldet. Fast die Hälfte (49,9%) der Steuerpflichtigen wird ausschliesslich nach dem Normalsatz besteuert, knapp ein Drittel (31,7%) nach Saldosteuersätzen. Hingegen werden nur sehr wenige Steuerpflichtige (0,6%) ausschliesslich nach dem reduzierten Satz besteuert. Die restlichen 17,9 Prozent der Steuerpflichtigen werden zu mehreren Steuersätzen besteuert oder entrichten keine Steuer auf den Umsatz. 2012 bildeten erstmals die Aktiengesellschaften mit einem Anteil von 33,0 Prozent die grösste Gruppe der Steuerpflichtigen, gefolgt von den Einzelfirmen (32,1%) und den Gesellschaften mit beschränkter Haftung (25,0%).
Steuerforderungen entfallen hauptsächlich auf den Tertiärsektor
Die Mehrwertsteuer wurde hauptsächlich vom Tertiärsektor geschuldet: Die Netto-Steuerforderungen der ESTV betrugen 2012 gegenüber dem Tertiärsektor 10'092,0 Millionen Franken, gegenüber dem Primärsektor 49,4 Millionen Franken und gegenüber dem Sekundärsektor 143,9 Millionen Franken. Die insgesamt sehr tiefe Steuerforderung gegenüber dem Sekundärsektor erklärt sich aus der starken Exportorientierung dieses Sektors und dem mit der Steuerbefreiung der Exporte verbundenen Vorsteuerabzug.