Arealstatistik (ASCH)

Seit den 1980er Jahren produziert das Bundesamt für Statistik mit der Arealstatistik Daten über den Zustand und die Entwicklung der Bodennutzung in der Schweiz. Die Arealstatistik ist damit ein unverzichtbares Instrument der langfristigen Raumbeobachtung. Ihre Ergebnisse erlauben eine Beurteilung, inwieweit die Entwicklung der Bodennutzung mit den Zielen der Raumentwicklung sowie einem massvollen Umgang mit der Ressource „Boden” übereinstimmt. Seit den 1980er Jahren werden die Bodennutzung und die Bodenbedeckung der Schweiz erhoben, was die Grundlage für die Arealstatistik bildet. Mit der 2021 begonnenen Erhebung wird der Datensatz fünf Perioden umfassen. Die ersten drei Erhebungen fanden alle 12 Jahre statt, ab der vierten Erhebung alle 9 Jahre.

Statistische Methode

Statistisch basiert die Arealstatistik 2020–25 auf derselben Erhebungsmethode wie die Arealstatistik von 1979–85, 1992–97, 2004–09 und 2013–18. Damit sind die die Daten der fünf Bodennutzungserhebungen vollständig miteinander vergleichbar, so dass auch der Wandel der Bodennutzung aufgezeigt und Zeitreihen gebildet werden können. Datengrundlage für die Arealstatistik 2020-25 bilden digitale Farbluftbilder aus den Jahren 2020 bis 2025, die vom Bundesamt für Landestopografie (swisstopo) zur Verfügung gestellt werden.

Die Interpretation durch den Menschen und die KI

Die Interpretation der Bodennutzung und -bedeckung beruht auf fixen Stichprobenpunkten, welche in einem 100 m-Raster den Luftbildern überlagert werden. Die Interpretation findet an speziellen Arbeitsstationen mit dreidimensionaler Bildbetrachtung statt. Bei der Interpretation am Bildschirm werden die Codes für die Nutzung und Bedeckung der letzten Erhebung mit der aktuellen Situation im Luftbild verglichen und die Veränderungen festgehalten. Aufgrund der konsistenten Erhebung der Bodennutzung und Bedeckung in allen Zeitständen, kann von jedem Punkt belegt werden, wie er zu jedem Zeitpunkt genutzt wurde und wie sich seine Nutzung und Bedeckung im Lauf der Zeit verändert hat. 

Seit 2022 kombiniert eine neue IT-Lösung die visuelle Interpretation von Luftbildern durch Experten mit maschinellen Algorithmen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz. Diese liefern eine Vorhersage der Veränderungen und der Kategorie der Punkte und ermöglichen so eine teilweise Automatisierung der Erhebung. Die Entwicklung dieses Instruments reiht sich in die Bemühungen ein, die Statistikproduktion mithilfe neuer Technologien und der Integration bestehender digitaler Informationen effizienter zu gestalten. Es handelt sich um die erste Verwendung einer datenwissenschaftlichen Technologie in der öffentlichen Statistik auf Bundesebene.

Arealstatistik Schweiz - Basisstatistik zu Bodennutzung und ‑bedeckung  (AREA)

Weiterführende Informationen

Grundlagen

Die Erhebung der Arealstatistik basiert auf digitalen Luftbildern und Bildstreifen

Erhebungsprozess

Aufbereitung und Interpretation der Luftaufnahmen, Feldverifikation

Datenauswertung

Die Datenauswertung der Arealstatistik erfolgt in einem geografischen Informationssystem (GIS).

Geschichte der Arealstatistik

In der Schweiz wurden in den Jahren 1912, 1923–24, 1952 und 1972 Arealstatistiken herausgegeben, welche mit verschiedenartigen Methoden erhoben wurden, unterschiedliche Merkmalsdefinitionen und teilweise unbekannte Zeitbezüge aufwiesen. Hauptsächlich wurden nur vier Kategorien unterschieden: Wald, Landwirtschaft, Reben sowie das Öd- und Unland, zu welchem übrigens auch die Siedlungsflächen gezählt wurden. Die Daten der verschiedenen Erhebungen konnten weder verglichen noch zur Bildung von Zeitreihen herangezogen werden. Erst als die Beunruhigung über den schleichenden Wandel der Landschaft durch das anhaltende Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, durch Ballungsprozesse, Mobilitätssteigerung usw. wuchs, wurden diese Mängel erkannt. Die Regierung beschloss zu Beginn der 80er-Jahre, der periodischen Beobachtung der Bodennutzung einen festen Platz im statistischen Programm zu geben. 

Die bis 1972 nur unregelmässig erstellte Arealstatistik der Schweiz war anfänglich eine fast ausschliessliche Statistik über Flächen und Ausdehnung der Gemeinden, Kantone und des Landes selbst. Ab 1972 hat sie sich im Laufe der Zeit zu einer ausführlichen Erhebung der Bodennutzung entwickelt. Zusammen mit der weiteren Differenzierung der Bodennutzung und einer getrennten Identifikation der Bodenbedeckung wurden auch die räumliche und zeitliche Auflösung verfeinert. 

Die Arealstatistik 2013–18 ist die dritte Erhebung, die nebst dem Zustand auch die Entwicklung der Bodennutzung nachweisen kann.

Bisherige Arealstatistiken

Bezeichnung Zeitbezug Räumliche Auflösung Zahl der Nutzungs- und Bedeckungsarten
Arealstatistik 1912 unbekannt Gemeinde 4
Arealstatistik 1923–24 unbekannt Gemeinde 4
Arealstatistik 1952 unbekannt Gemeinde 5
Arealstatistik 1972 1957 bis 1971 Hektare 12
Arealstatistik 1979–85 1979 bis 1985 Hektare 72/46/27 (nach Revision)
Arealstatistik 1992–97 1990 bis 1998 Hektare 72/46/27 (nach Revision)
Arealstatistik 2004–09 2004 bis 2009 Hektare 72/46/27
Arealstatistik 2013–18 2013 bis 2018 Hektare 72/46/27

Methodenrevision

Durch die grossen technologischen Fortschritte und die wachsende Erfahrung im Bereich der Auf­nahmesysteme für Erdbeobachtung, der Bildverarbeitungs-Software und der geografischen Informationssysteme bildeten sich in den letzten Jahren immer wieder Chancen für methodische Erneuerungen der Arealstatistik, die es zu nutzen galt. 

Ab 2005 erfolgte aufgrund der beobachteten neuen technischen und methodischen Möglichkeiten und gestützt auf eine umfassende Bedarfsanalyse eine grundlegende Erneuerung der Erhebungsmethode und der Nomenklatur. Dabei wurde insbesondere dem oft geäusserten Wunsch nach einer getrennten Beurteilung von Bodenbedeckung und Bodennutzung nachgekommen. Eine Anpassung der Bildinterpretation war schon deshalb nötig, weil die Nachführung an analogen Stereoskopen schon bei zwei Zeitständen zeitaufwendige visuelle Bildvergleiche erforderte, welche bei drei und mehr Zeitständen praktisch kaum mehr durchführbar gewesen wären. Neu erfolgte die visuelle Bildinterpretation auf der Grundlage digitaler, gescannter Luftbilder an Photogrammetrie-Arbeitsstationen, welche eine dreidimensionale Bildbetrachtung erlauben. Diese methodische Erneuerung umfasste nicht nur die direkte Datenerfassung und eine sofortige Plausibilisierung jedes interpretierten Punkts am System, sondern auch eine Revision der Resultate der vergangenen Erhebungen. Dadurch konnten auch immer mehr Zusatzinformationen (Gebäudeinformationen, Bundesinventare, Karteninformationen), die mittlerweile digital vorhanden waren, als Hilfsmittel zur Verbesserung und Erleichterung der Nutzungsbestimmung elegant auf einem zusätzlichen Bildschirm dargestellt werden.

Revision der Datensätze 1979–85 und 1992–97

Bereits bei der zweiten Nachführung der Arealstatistik wurden auch die Resultate der Ersterhebung 1979–85 systematisch überprüft und im Fall von Abweichungen, die nicht durch Nutzungsänderungen begründet werden konnten, korrigiert. Nebst dem neuen Zeitstand 1992–97 wurde somit auch ein revidierter Ersterhebungsdatensatz publiziert. Die mit der Erhebung 2004–09 vollzogenen methodischen Erneuerungen wie auch der vollständig überarbeitete und für die getrennte Erhebung von Bodennutzung und -bedeckung optimierte Kategorienkatalog erfordert erneut eine Anpassung und Überarbeitung der bereits veröffentlichten Zeitstände 1979–85 und 1992–97. Während der Erhebung der Arealstatistik 2013–18 wurden aufgrund besserer Luftbilder und Hilfsinformationen die Daten der Arealstatistik 2004–09 nochmals revidiert. Die Daten der ersten und zweiten Erhebung blieben dabei eingefroren und wurden nicht mehr verändert. Ausserdem wurde beschlossen, in Zukunft die alten Datensätze nicht mehr zu verändern. Durch diese Überarbeitungen sind die Daten der Arealstatistiken 1979–85, 1992–97, 2004–09 und 2013–18 vollständig vergleichbar.

Kontakt

Sektion Geoinformation

Bundesamt für Statistik
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2010 Neuchâtel
Schweiz