Landwirtschaftliche Gesamtrechnung: Schätzung 2024 2024 ist ein sehr kontrastreiches Jahr für die Landwirtschaft

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2024 ist ein sehr kontrastreiches Jahr für die Landwirtschaft

19.11.2024 - Die Schweizer Landwirtschaft dürfte im Jahr 2024 eine Bruttowertschöpfung von 4,6 Milliarden Franken generieren, was einer Zunahme von 3,4% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Hinter der stagnierenden Gesamtproduktion (-0,4%) verbergen sich sehr unterschiedliche Entwicklungen. Während die Getreideproduktion wegen des vielen Regens schlecht ausfällt, verbessern sich die Absatzbedingungen für Schweine. Die Produktionskosten sind rückläufig. Diese ersten Schätzungen für das laufende Jahr stammen aus der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung des Bundesamtes für Statistik (BFS).

Gemäss ersten Schätzungen des BFS beläuft sich der Gesamtproduktionswert der Schweizer Landwirtschaft im Jahr 2024 auf 12,0 Milliarden Franken, was gegenüber 2023 einem Rückgang von 0,4% entspricht. Die Ausgaben für Vorleistungen (Futtermittel, Energie, Dünger, Unterhalt und Reparaturen usw.) liegen mit 7,4 Milliarden Franken um 2,7% tiefer als im Vorjahr.

Die Bruttowertschöpfung, die sich aus der Differenz zwischen Produktionswert und Vorleistungen ergibt, erreicht 4,6 Milliarden Franken im Jahr 2024. Das sind 3,4% mehr als 2023. Preisbereinigt verringert sie sich hingegen um 1,5%. Da das Arbeitsvolumen um 0,8% abnimmt, sinkt auch die Arbeitsproduktivität gegenüber 2023 um rund 0,8%, bleibt aber knapp 34% höher als im Jahr 2000.

Schlechte Getreideernte, gutes Obstjahr

Der Produktionswert des Pflanzenbaus geht im Jahr 2024 gegenüber 2023 um 5,0% auf 4,1 Milliarden Franken zurück. Der nasse Frühling 2024, in dem Trockenperioden selten und von kurzer Dauer waren, begünstigte das Auftreten von Krankheiten bei gewissen Kulturen, insbesondere beim Getreide und den Trauben, und erschwerte die Heuernte.

Der Wert der Getreideproduktion von 2024 bricht im Vorjahresvergleich um 23,2% ein. Nach ersten Schätzungen fällt durchschnittliche Ertrag pro Hektar so tief aus wie zuletzt im Jahr 1980. Ausserdem gab es zuletzt 1970 eine so geringe Getreideernte. Grund dafür sind zum einen die negativen Auswirkungen des vielen Regens, zum anderen die Verringerung der Anbauflächen. Die ungünstigen Wetterbedingungen beeinträchtigen auch den Produktionswert des Futterbaus (-17,3%) und des Weinbaus (-5,8%). 

Ein ganz anderes Bild zeigt sich im Obstbau. Sein Produktionswert steigt gegenüber dem durchzogenen Jahr 2023 um 20,1%. Die Ernten fallen generell höher aus als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Auch der Produktionswert von Zuckerrüben nimmt aufgrund der grösseren Anbaufläche und der höheren Preise zu (+9,9%).

Der Schweinemarkt erholt sich nach zwei schwierigen Jahren 

Die tierische Produktion wird auf 6,1 Milliarden Franken geschätzt, das sind 2,2% mehr als 2023. Nach zwei schlechten Jahren klettert der Wert der Schweineproduktion um 23,1% auf 0,9 Milliarden Franken. Diese Zunahme resultiert aus dem kräftigen Preisanstieg (+24,2%), mit dem der Markt auf die leichte Abnahme des Schweineangebots (-0,9%) reagiert, nachdem das Produktionsvolumen bereits 2023 gesunken war. Die Geflügelhaltung setzt ihren Aufwärtstrend fort (+3,1%), wobei der Wert der Geflügelproduktion (+4,0%) und der Eierproduktion (+2,1%) 2024 fast 0,8 Milliarden Franken erreicht.

Der Milchpreis sinkt 2024 gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt um 1,6%, dies bei unveränderter Produktionsmenge. Mit knapp 2,8 Milliarden Franken liegt der Produktionswert von Milch 1,6% unter dem Vorjahresniveau. Bei der Rindviehproduktion ist ein Rückgang festzustellen. Ihr Wert verringert sich gegenüber 2023 um 1,2% auf gut 1,5 Milliarden Franken, was insbesondere auf den tieferen Durchschnittspreis für Kälber (-6,0%) zurückzuführen ist. Die Produktionsmenge hat sich gegenüber 2023 kaum verändert. 

Staatsbeiträge sind wichtiger Einkommensbestandteil in der Landwirtschaft

Die schrittweise Öffnung der Agrarmärkte in den 1990er-Jahren führte zur Einführung von Direktzahlungen, die ab 1999 generell erfolgt sind und 2014 überarbeitet wurden. Seit mehr als zwei Jahrzehnten werden mit den Staatsbeiträgen an die Landwirtschaftsbetriebe insbesondere Leistungen von allgemeinem Interesse vergütet. Nach den ersten Schätzungen steigen die Staatsbeiträge gegenüber 2023 um 0,3%. Mit 3,0 Milliarden Franken machen sie 20% der Gesamtressourcen der Schweizer Landwirtschaft aus und bilden damit einen wichtigen Bestandteil des Einkommens im Agrarsektor.

Uneinheitliche Entwicklung der Produktionskosten

2024 verzeichnen die Produktionskosten (Vorleistungen, Abschreibungen, Löhne, Pachten, Schuldzinsen und Produktionsabgaben) gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 1,6%, liegen aber im dritten Jahr in Folge bei über 12 Milliarden Franken. Bei den Vorleistungen (7,4 Mrd. Franken, -2,7%) nehmen vor allem die Ausgaben für Futtermittel und Dünger ab.

Der 2023 nach der Preisexplosion von 2022 begonnene Preiszerfall der fossilen Energie setzt sich fort. Die gute Versorgung mit Raufutter, das 2023 in den Betrieben produziert wurde, trägt dazu bei, den Futterbedarf für 2024 zu decken, während die Mengen und Preise für ausserhalb der Landwirtschaft zugekaufte Futtermittel gesunken sind. Die Strompreise ziehen hingegen weiter an.

Die leicht rückläufigen Abschreibungen (2,3 Mrd. Franken, -0,5%) erklären sich in erster Linie durch den Rückgang des Investitionsvolumens und des produktiven Vermögens (Gebäude, Maschinen usw.). Das Arbeitnehmerentgelt (1,6 Mrd. Franken, +2,2%) wird höher geschätzt als 2023, wobei sowohl die Löhne als auch das Volumen der bezahlten Arbeit steigen.

Das sektorale Einkommen der Schweizer Landwirtschaft wächst

2024 sinken die Einnahmen (Produktionswert, Staatsbeiträge und Habenzinsen) um 0,3% auf 15,0 Milliarden Franken. Die Ausgaben (Vorleistungen, Abschreibungen, Löhne, Pachten, Schuldzinsen und Produktionsabgaben) gehen um 1,6% auf 12,1 Milliarden Franken zurück. Der Saldo, d. h. das Nettounternehmenseinkommen der Schweizer Landwirtschaft (sektorales Einkommen), wird somit für das Jahr 2024 auf 2,9 Milliarden Franken geschätzt. Dieses Einkommen entschädigt hauptsächlich die Arbeit und das produktive Vermögen (Kapital und Boden) sämtlicher Bauernfamilien in der Schweiz. Trotz eines Anstiegs um 5,4% gegenüber 2023 liegt es nahezu 1,6% unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Zusätzliche Informationen in Form von Tabellen und Grafiken finden Sie in der nachfolgenden PDF-Datei.

Details

Dargestellter Zeitraum
2024
Periodizität
Jährlich
Raumgliederung
Schweiz
Quelle(n)
Bundesamt für Statistik
BFS-Nummer
2024-0520-d
Nutzungsbedingungen
OPEN-BY
Freie Nutzung - Quellenangabe ist Pflicht
Artikeltyp:
Medienmitteilung
Veröffentlicht am:
19.11.2024

Verfügbare Sprachen

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