Schnellschätzung der Unternehmensstruktur (STATENT-Flash)
Ausgangslage und Ziele
Die Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) liefert jährlich umfassende und sehr detaillierte Informationen zur Struktur der Schweizer Wirtschaft. Die Daten geben Aufschluss über die strukturellen und geografischen Merkmale des Produktionsapparats auf Ebene der Unternehmen, Betriebe, Beschäftigten und Vollzeitäquivalente. Sie werden bei wirtschaftlichen (z. B. Marktanalysen) und räumlichen (z. B. Raumplanung) Analysen sehr häufig verwendet. Allerdings wird die STATENT erst zwanzig Monate nach dem Referenzjahr, auf das sie sich bezieht, veröffentlicht. So sind die Daten des Referenzjahres 2022 im August 2024 verfügbar. Für diese grosse «Verzögerung» gibt es zwei Gründe: Zum einen liegen die Basisdaten erst rund zwölf Monate nach dem Referenzjahr vor, zum anderen müssen bei der Produktion zahlreiche Datenquellen integriert werden, um die Vollständigkeit und Genauigkeit der STATENT sicherzustellen.
Das BFS entwickelt im Rahmen seiner Innovationsstrategie neue Produkte, indem es beispielsweise bereits verfügbare Informationen umfassend auswertet. Dadurch erübrigen sich neue Erhebungen. Das vorliegende Projekt ist insofern innovativ, als es die Frist für die Bereitstellung der Informationen gegenüber der «klassischen» STATENT signifikant verkürzen soll. Im Vordergrund stehen die für die Nutzerinnen und Nutzer kurzfristig relevantesten Variablen, d. h. Anzahl Unternehmen und Beschäftigte mit einer Auffächerung nach Grössenklasse, Wirtschaftszweig (NOGA BFS 50) und Kanton.
Um die Ergebnisse ausserhalb des üblichen Produktionszyklus der STATENT zu generieren, werden auf prädiktiven Methoden basierende Schätzungen herangezogen. Mit diesen Methoden lassen sich fehlende oder unvollständige Informationen berechnen. Ziel ist es, unter dem Titel STATENT-Flash strukturelle Ergebnisse kurzfristig, d. h. acht Monate nach Ende des Referenzjahrs, zu publizieren. Damit sind die Daten zum Referenzjahr 2023 bereits im August 2024 verfügbar. Das BFS bietet damit parallel zur klassischen STATENT eine aktuellere Übersicht zur umfassenden Wirtschaftsstruktur.
Gewähltes Vorgehen
Die klassische STATENT-Grundgesamtheit umfasst alle rechtlichen Einheiten, die im Dezember des Jahres t mindestens eine Person beschäftigen. Mit der beschäftigten Person ist ein AHV-pflichtiges Jahreseinkommen von über 2300 Franken verbunden.
Da die AHV-Kassen für die Datenlieferung an das BFS eine gewisse Zeit benötigen, ist diese Grundgesamtheit erst sehr spät bekannt. Für die Erstellung der STATENT-Flash kamen zwei Möglichkeiten in Betracht.
Bei der ersten Möglichkeit wird eine Vorhersage der vorhandenen rechtlichen Einheiten erstellt. Sie bilden die geschätzte Grundgesamtheit. Danach werden die Beschäftigten für diese geschätzte Grundgesamtheit vorausgesagt. Es kommen also zwei Modelle zur Anwendung: ein erstes für das Vorhandensein einer rechtlichen Einheit, und ein zweites für die Beschäftigten dieser rechtlichen Einheiten. Da die Modellierung die rechtlichen Einheiten abbildet, wird dieser Ansatz als «individuell» bezeichnet. Er wurde jedoch noch nicht untersucht und gegenwärtig liegt dazu kein Ergebnis vor.
Bei der zweiten Möglichkeit, die hier letztendlich umgesetzt wird, wird die Modellierung direkt auf Ebene der am häufigsten nachgefragten Aggregationen getestet. Auch in diesem Fall kommen zwei Modelle zur Anwendung: das erste für die Anzahl Beschäftigte und das zweite für die Anzahl der rechtlichen Einheiten.
Die Branchen des Primärsektors (NOGA 01–03) und der öffentlichen Verwaltung (NOGA 84) werden aus der aggregierten Modellierung und den hier vorgestellten Ergebnissen ausgeschlossen. Die Anzahl Einheiten und Beschäftigte in diesen Branchen stammen nicht von der AHV, sondern hauptsächlich aus administrativen Quellen. Diese Quellen sind sehr kurzfristig verfügbar, sodass kein wesentlicher Modellierungsbedarf besteht. Für die genannten Branchen wird daher der individuelle Ansatz vorgesehen. Ergebnisse dazu werden in künftigen Publikationen vorliegen.
Die aggregierte Modellierung beruht auf der Entwicklung von erklärenden Variablen. Diese Variablen basieren auf der STATENT sowie zusätzlich auf den provisorischen Daten der AHV-Kassen, dem Betriebs- und Unternehmensregister (BUR) und der Beschäftigungsstatistik (BESTA). Die Qualität der Schätzung hängt stark von der Aussagekraft der Variablen zur Anzahl der Beschäftigten und rechtlichen Einheiten ab. Mehrere Modellierungen wurden getestet. Die Ergebnisse wurden anhand verschiedener Kriterien bewertet (z. B. «Root Mean Squared Forecast Error» RMSFE).
Einschränkungen der Ergebnisse
Die vorgestellten Ergebnisse dienen primär dazu, das ausgewählte Vorgehen zu testen und herauszufinden, inwieweit sie den Bedürfnissen der Nutzenden entsprechen. Da es sich um experimentelle Schätzungen handelt, ist bei der Interpretation der Ergebnisse Sorgfalt geboten. Dabei sind insbesondere auch folgende Einschränkungen zu berücksichtigen: Da kein Vertrauensintervall bereitgestellt werden konnte, wird die Schätzunsicherheit nicht gemessen. Es wurden nicht alle Hypothesen der Modelle getestet, sodass womöglich Verzerrungen bestehen. Bei den Tests zu den Jahren 2019 und 2021 haben sich teilweise erhebliche Abweichungen zwischen der Prognose der hier vorgestellten aggregierten Methode und der tatsächlichen STATENT gezeigt. Zu erwähnen ist hier, dass es sich um besondere Jahre handelte, in denen die Schweiz mit den Herausforderungen der Covid-19-Pandemie konfrontiert war. Den ersten experimentellen Ergebnissen zufolge sind weitere Arbeiten erforderlich, damit die Schätzungen den vom Bundesamt für Statistik angewandten hohen Qualitätsstandards genügen.
Ergebnisse
Die Tabellen zeigen für die beiden berücksichtigten Modelle (für Beschäftigte und für rechtliche Einheiten) die nach Dimension aggregierten Ergebnisse.
Gemäss der Vorhersage zur Anzahl Unternehmen umfasste die Schweiz im Jahr 2025 insgesamt 605 778 Unternehmen. 0,3% dieser Unternehmen hatten mehr als 250 Beschäftigte (grosse Unternehmen). Nur im Kanton Zürich gab es mehr als 100 000 Unternehmen. Am anderen Ende der Skala befindet sich der Kanton Appenzell Innerrhoden mit 1326 Unternehmen. Die grösste Anzahl Unternehmen weist das «Gesundheitswesen» (NOGA 86) aus (72 150), gefolgt von «Erbringung von sonstigen Dienstleistungen» (NOGA 94–96: 60 674). Im «Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden» sind lediglich 237 Unternehmen tätig.
Ebenfalls laut Vorhersage waren in der Schweiz im Jahr 2025 über 5 Millionen Personen beschäftigt, rund 36% arbeiteten in einem grossen Unternehmen. Wie für die Anzahl Unternehmen sind die Kantone Zürich und Bern mit 1 085 597 bzw. 624 404 Beschäftigten die Spitzenreiter. Das «Gesundheitswesen» (NOGA 86) verzeichnet die grösste Anzahl Beschäftigte (480 478), gefolgt vom «Detailhandel» (NOGA 47: 335 181).
Perspektiven
Die STATENT liefert Informationen zur gesamten Schweizer Wirtschaft. Die STATENT-Flash soll daher langfristig auch Ergebnisse für die Branchen des Primärsektors (NOGA 01–03) und der öffentlichen Verwaltung (NOGA 84) bereitstellen.
Der aggregierte Ansatz reicht in seiner heutigen Form nicht aus, um robuste und genaue Resultate zu produzieren. Statt diesen weiterzuentwickeln, wird jedoch vorzugsweise der individuelle Ansatz erforscht, da damit eine breitere Vielfalt an Datenquellen (und erklärenden Variablen) ausgewertet werden kann, mit der sich die Schätzungen potenziell verbessern lassen. Künftig entwickelte Modelle werden immer mit den hier vorgestellten verglichen, wobei die Ergebnisse dieser experimentellen Statistik hoffentlich mithilfe zukünftiger Arbeiten verbessert werden können.
Dokumentation
Auskunft
E-Mail: statent@bfs.admin.ch
Telefon: +41 58 463 62 66
Fragen, Ideen und Kommentare zur STATENT-Flash werden gerne entgegengenommen und können an den Informationsdienst der Sektion Wirtschaftsstruktur und -analysen (WSA) gerichtet werden.