25.03.2025 - Die Konferenz der regionalen statistischen Ämter der Schweiz (KORSTAT) und das Bundesamt für Statistik (BFS) präsentieren die überarbeitete Charta für die öffentliche Statistik - einen modernen Verhaltenskodex, der Qualität und Ethik in den Mittelpunkt stellt.
Die Charta bildet das Fundament für die öffentliche Statistik in der Schweiz: Sie ist ein Verhaltenskodex für alle statistischen Ämter von Bund, Kantonen und Gemeinden. Die Charta definiert Qualitätsstandards der öffentlichen Statistik und trägt somit zu deren Glaubwürdigkeit bei. Die Charta wurde erstmals 2002 verabschiedet und liegt nun in der vierten Fassung vor. Sie ergänzt gesetzliche Vorgaben und passt sich den veränderten Rahmenbedingungen an.
Grundlage für fundierte Entscheidungen
Ziel der Charta ist es, zum Vertrauen in die öffentliche Statistik beizutragen und den steigenden Ansprüchen einer datengetriebenen Welt gerecht zu werden. Informationen sind oft unmittelbar und in stetig wachsender Zahl verfügbar, aber nicht immer überprüfbar. Hier bilden fachlich unabhängige und präzise Daten der öffentlichen Statistik die Grundlage für fundierte Entscheidungen, wissenschaftliche Forschung und öffentliche Diskussionen - sowohl lokal, regional als auch national und europaweit.
Eine tragende Säule der Demokratie
Die öffentliche Statistik leistet einen entscheidenden Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung. Sie agiert auf Basis strenger rechtlicher Grundlagen, berufsethischer Vorgaben und eines Qualitätsrahmens, der höchsten internationalen Standards entspricht. Die Charta lehnt sich auch an den Verhaltenskodex für europäische Statistiken an.
Neue Herausforderungen
Zudem greift die revidierte Charta neue Entwicklungen auf. Den statistischen Ämtern wurden in den letzten Jahren neue Aufgaben in der Datenbewirtschaftung, Datenwissenschaft und Open Government Data übertragen, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen. So sollen zum Beispiel durch die Mehrfachnutzung von Daten (Once-Only-Prinzip) Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger künftig von administrativen Aufgaben entlastet werden.
Prinzipien und Indikatoren
Die Charta vereint insgesamt 16 Prinzipien, die jeweils durch mehrere Indikatoren präzisiert werden. Dazu gehört zum Beispiel die fachliche Unabhängigkeit, d.h., die statistischen Ämter müssen von jeglichen politischen und auch privaten Akteuren fachlich unabhängig sein. Weitere Prinzipien sind die Einhaltung des Datenschutzes bzw. die Anonymität der Datenlieferanten sowie die Unparteilichkeit. Letzteres bedeutet zum Beispiel, dass allen Nutzerinnen und Nutzern gleichberechtigt und gleichzeitig Datenzugang gewährt wird. Deshalb sind alle Publikationen und Medienmitteilungen an ein striktes Embargo gebunden.
Ein Kodex für die gesamte Schweiz
Die neue Charta ist flexibel gestaltet, um die Vielfalt und unterschiedlichen Strukturen der Statistikstellen aller Staatsebenen zu berücksichtigen. Sie wird als Referenzdokument für die gesamte öffentliche Statistik der Schweiz auf lokaler, kantonaler und Bundesebene dienen und einen nachhaltigen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten. Der bereits institutionalisierte Austausch unter den Statistikstellen zu berufsethischen Fragestellungen wird auf Basis der revidierten Charta erweitert werden. Hierzu steht mit dem Ethikrat der öffentlichen Statistik der Schweiz ein unabhängiges Gremium zur Seite, das beratend wirkt, zu Verbreitung der Charta beiträgt und deren Einhaltung überwacht.
Mit der revidierten Charta setzen die Schweizer Statistikstellen ein starkes Zeichen für Transparenz, Qualität und Innovation und gegen Desinformation und Fake-News in einer zunehmend datengetriebenen Welt.